
Als eine der renommiertesten Jugendhilfeeinrichtungen Bayerns mit einer über 150 jährigen Tradition sehen wir uns vor allem dem jungen Menschen mit all seinen Bedürfnissen gegenüber verpflichtet.
Hierunter fällt auch das Einbinden der Kinder und Jugendlichen in die Themenbereiche Umwelt und Naturschutz.
Neben dem Erkennen der natürlichen Abläufe wie zum Beispiel den Jahreszeiten ist es uns sehr wichtig, dass die Kinder und Jugendliche ein Gefühl für die Tier und Pflanzenwelt entwickeln und hierdurch ihre Mitgeschöpfe schätzen und achten lernen.
Neben verschiedenen über das Jahr verteilte erlebnispädagogischen Maßnahmen und Projekten sowie regelmäßig stattfindenden Umweltgruppen, bei denen es in erster Linie um Natur erleben geht, nehmen wir als weitere Methode das aktive Schaffen von Lebensräumen in die Hand.
In einer im Rahmen der verschiedenen Flurbereinigungsverfahren fasst völlig ausgeräumten Feldflur, ohne Hecken, Feldraine und Brachflächen gibt es für bodenbrütende Arten wie z. B. Rebhuhn, Lerche und Kiebitz aber auch für auf Dauerdeckung angewiesene Schmetterlinge und Käfer kaum noch Überlebenschancen.
Hier wollen wir ansetzen, um unseren Teil dazu beizutragen, dass in ihrer Existenz bedrohte Arten einen Lebensraum erhalten um ihr Überleben für die nächste Generation zu sichern.
Der glückliche Umstand, dass die Einrichtung selbst in Besitz von Ackerflächen ist, erleichterte sehr die Umsetzung der Idee in ein Projekt mit vorerst fünfjähriger Laufzeit.
Projektrahmen: Umweltgruppe


Projektlogo: Die "Mariendistel"

Die ersten Schritte waren:
- Die Begeisterung der Kinder wecken.
Wir sahen uns mehrere, mit unterschiedlichen Saatmischungen begründe Flächen an und konnten diese im laufe eines Jahres in ihrer Entwicklung beobachtet.

- Status der Marienthal-Flächen ermitteln.

- Status der Flächen verändern.
- Bewirtschaftungstausch der Marienthalflächen, aufgrund der ungünstigen Lage, mit Flächen eines befreundeten Landwirtes in Niederwerrn.
- Suche einer geeigneten Saatmischung.

- Beteiligung der Kinder bei der Einsaat der Flächen im Mai 2010.
Planung Projektverlauf:
- Einsaat
- Beobachten des Auskeimens der Samen und des Heranwachsens der unterschiedlichen Kräuter und Blumen, in regelmäßigen Abständen.

Aller Anfang ist schwer....
- Erkennen und benennen der einzelnen Pflanzen.

- Vergleich der Artenvielfalt mit einer herkömmlichen Wiese.

- Erfassen der Tierwelt die, die Flächen annehmen im Vergleich zu anderen Flächen.

Als Saatgut wurde die fünfjährige Saatmischung Lebensraum I gewählt.
Der Vorteil dieser Mischung ist, dass sie, einmal ausgesät, in fünf Folgejahren unterschiedliche Pflanzen hervorbringt und so jährlich ihr Aussehen und ihre Attraktivität für die Tierwelt verändert.
An Pflanzen werden unterschieden:
1. Landwirtschaftliche Kulturarten wie Sonnenblume, Buchweizen, Esparsette, Fenchel, Futtermalve, Futtermöhre, Gelbklee, Rotklee, Hornschotenklee, Kolbenhirse, Lein, Luzerne, Mariendistel, Petersiles, Sommerwicke, Waldstaudenroggen, Winterwicke

2. Wildarten heimischer Herkunft wie Beifuss, echtes Barbenkraut, weißes Labkraut, Färberkamille, Färberresede, gemeine Braunelle, Jakobsgeiskraut, Johanniskraut, Kleiner Wiesenkopf, Königskerze, Kuckuckslichtnelke, Margerite, Nachtkerze, Natternkopf, nickendes Leimkraut, Origanum, Pechnelke, pfirsigblättrige Glockenblume, Reinfarn, rote Lichtnelke, Saatwucherblume, Scabiosenflockenblume, Schafgarbe, Spitzwegerich, Taubenkopfleimkraut, Wegwarte, weiße Lichtnelke, Wiesenbärenklau, Wiesenflockenblume, Wiesenkümmel, Wiesenpippau, Wiesensalbai, wilde Karde, wilde Malve, wilde Möhre.

Wer kennt sie? Wer kann sie benennen?
Es ist noch gar nicht so lange her, als diese Arten in allen Wiesen und Feldern vertreten waren und die Kenntnis der Pflanzen auf den Lehrplan der Grundschule stand.
Heute wird sich mancher Biologielehrer schwer damit tun auch nur einige zu benennen.
Unser Ziel ist es natürlich nicht Fossilien zum Leben zu erwecken, sondern wir wollen Flächen gestalten die ein hohes Maß an Artenvielfalt und Abwechslung garantieren. Die beteiligten Kinder sollen den Lebensrhythmus der Pflanzen mit wachsen, blühen, absterben um dann wieder aus Neue den Kreislauf zu beginnen erkennen und begleiten.
Zur Steigerung der Artenvielfalt werden wir auch, neben den genannten Arten die als Saatgut (mehr als 1000 Körner auf ein Gramm Saatgut) mit Topinambur, Miscanthus und Elefantengras die als Knolle bzw. Ryzom ausgebracht werden experimentieren.

Nach der ersten Wachstumsperiode sind die blühenden Arten abgeblüht und die Felder erscheinen nun in einem herbstlichen und bald winterlichen Bild bis sie im Frühjahr 2011 wieder zu neuem Leben erwachen, heranwachsen und ihre Artenvielfalt zur Geltung bringen.

Walter Zeißner
In Kürze werden Sie hier weitere Bilder sehen können!